Puppenspieler, gute Nacht

Puppenspieler, gute Nacht

1944. Wendel ist zwölf Jahre alt, als er seinen besten Freund verliert. Wäre er nicht so feige gewesen, hätte er Richards (12) Tod verhindern können. Geblendet von der Schwere seines Scheiterns, sieht Wendel die Schuld bei Jungenschaftsführer Helmut (14). Wendel schwört Rache und sucht nach einem Weg, sein Schicksal zu ändern.

Das Kalenderblatt zeigt das Jahr 1944. Wendel (12) faszinieren die marschierenden Soldaten mit ihren rhythmischen Schritten sowie das verheißungsvolle Rascheln der damals verbotenen Bücher gleichermaßen. Fußmärsche zum blauen Kiosk, Fische angeln mit Karbid, Granatsplitter sammeln und auch der Traum vom Studium in einer großen fremden Stadt.
Plötzlich aber rückt all das in weite Ferne. Bei einer Geländeübung der Jungvölkler verschweigen Wendel und sein bester Kollege Richard (12), genannt „Bär“, die Flucht eines Häftlings. Ihr pflichtbewusster Befehlshaber Helmut (14) übernimmt persönlich die Bestrafung der beiden. Wendel muss seinen Freund eigenhändig in ein Schützenloch einbuddeln. Dort muss er ihn bewachen, bis die Sonne wieder aufgeht und Helmut die Erlaubnis zur Befreiung gibt.
Zu sehr fürchtet Wendel die Konsequenzen, als dass er sich trauen würde, Richard aus seinem kalten Gefängnis zu befreien. Als das schrille Heulen der Sirene das kalte Schweigen der beiden durchbricht, ist es schon zu spät. Flieger dröhnen und donnern durch die Nacht. Richard kommt bei dem Fliegerangriff in seinem Schützenloch zu Tode. Das Letzte, was Wendel von seinem Freund sieht, sind seine blutverkrusteten Haare.
Plötzlich glaubt er nicht mehr an den Krieg. Wendel fühlt sich schuldig, erstickt fast an seiner Wut. Er sinnt auf Rache. Er will Helmut tot sehen. Eigenhändig und mit dem nötigsten Wissen bastelt er eine Bombe. Zeitgleich, aber tief in ihm verborgen, wächst in Wendel ein Gedanke heran: Wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, dann würde er diesmal alles anders machen.
Wendel zündet seine selbst gebaute Bombe, doch Helmut überlebt. Die Welle der Schuld bricht erneut über ihn herein, raubt ihm den Atem. Und er findet eine Möglichkeit, wie er an Richards Todestag zurückkehren kann.
Diesmal gräbt Wendel Richard aus und die beiden verstecken sich. Sie stehlen Bier und reimen angetrunken schlechte Gedichte zusammen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Denn sein Freund bleibt tot. Wendel steigt in Richards Schützenloch, zieht sich die erdige Decke bis zur Brust und wartet auf die dröhnenden Flieger.

Autorin

LISA FECHNER

Pitch

© ifs

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